03.08.2022

Vor dem Haupteingang des Zentralfriedhofes werde ich Zeuge eines assistierten Einpark-Manövers. Eine etwa siebzigjährige Frau steigt entschlossen aus einem silbergrauen Mercedes. Sie beginnt, den Mann auf der Fahrerseite beim Vorgang des Einparkens zu unterstützen. Durch das Wedeln mit einer kleinen weißen Handtasche, hektisches Gestikulieren und lautes Rufen macht die Dame auf die Abstände zu den umliegenden Hindernissen und die Notwendigkeit ihrer Hilfe aufmerksam. Kurz erinnert mich ihr Verhalten an einen Marktschreier, der in gelben Plastikeimern mit aufgedruckten Mäusen, Käse verkauft. Der Mann im Auto, der ihr Ehemann zu sein scheint, möchte einen solchen Eimer offenbar nicht kaufen. Er nimmt kaum vom Angebot der Einparkhilfe Notiz und wirkt dabei ähnlich verbissen, wie die immer noch winkende Frau, die durch ihre dünnen Beine in der dunkelblauen, locker sitzenden Caprihose nun fast etwas zerbrechlich wirkt. Das Auto nähert sich dem Bordstein und die Frau wird nun noch hektischer, sie winkt und ruft und gibt Handzeichen, die der Mann nicht sieht. Er schaut während des Einparkens wiederholt aus dem offenen Fenster nach Vorne, um den Abstand einschätzen zu können und rückt dabei immer wieder seinen hellblauen Hut gerade. Als das Auto in der Parklücke zum Stehen kommt, geht die Frau siegessicher zum Auto und wirkt dabei, als hätte sie einen Wettkampf hinter sich gebracht. Der Mann steigt aus, geht stolz ums Auto und wirft einen Blick auf die Straße. Beide verlassen den Parkplatz Hand in Hand Richtung Eingang.

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