19.11.2021

Das Gefühl nicht bereit zu sein, löst einen Unwillen in mir aus, der sich wenig später anfängt, gegen alles zu richten, was dennoch stattfindet. In mir entsteht ein seltsamer Unfrieden. Die Stimme der Nachrichtensprecherin reizt mich auf eine Weise, die ich selbst nicht verstehen kann. Ich schalte das Radio aus und empfinde die Ruhe im nächsten Moment als provokant. In der Bahn beobachte ich eine verbale Angriffslust an mir, von der ich mich zunächst abzulenken versuche. Mir fallen die Nasenhaare des Herrn gegenüber auf, kurz darauf spüre ich einen Tritt von einer unachtsam vorbeilaufenden Passantin. Aufgrund ihrer Kopfhörer nimmt sie meine Entrüstung darüber nicht wahr. Ich fange an, meine Wut ziellos in der S-Bahn auf die Mitreisenden zu projizieren. Es scheint, als würden sich alle Böswilligkeiten der flimmernd-egoistischen Großstadt hier zu einem Puzzle meiner eigenen angewiderten Perspektive zusammensetzen.
Die freundlich wirkende Zugbegleiterin kann ich damit nicht übereinbringen. Sie wirkt auf mich, wie eine Postkarte aus einem anderen Tag.

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