13.09.2020

Auf der Promenade beobachte ich vorbeilaufende Passanten. Abgestimmte Kleidung, gut sitzende Frisuren, neu wirkende Outdoor-Jacken, frisch gefärbte Augenbrauen, Kameras und teure Sonnenbrillen – fast jede/r versucht hier die beste Version von sich selbst zu sein. Diese Bemühungen kollidieren hin und wieder mit verschmierten Fischbrötchen-Mündern, Softeis-Flecken auf Pullovern und Jacken, einem frischen Hundehaufen und dem unzufriedenen Blick über festgehaltene Selbstporträts. Die Bestrebungen, es im Urlaub besonders schön haben zu wollen, bekommen bei diesen Beobachtungen eine Verletzlichkeit, die mich anfängt zu bedrücken. Der daran anknüpfende Gedanke, dass es sich vor sich selbst nicht wegfahren lässt, erhält hier an der Promenade plötzlich eine Deutlichkeit, die mit einer ähnlichen Wucht an mich dringt, wie die Wellen an die Seebrücke.

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