05.06.2020

An der Buhne 9 stehen zweireihig aufgestellte Liegestühle. Das kleine Blockhaus erinnert an Holzhäuschen, die es in Baumärkten zu kaufen gibt. Diverse Aufsteller weisen in leidenschaftsloser Kreideschrift auf das Angebot in der kleinen Hütte hin. Eine überdimensionierte, goldfarbene Windfahne in Form eines Fisches dreht sich aufgeregt hin und her und unterstreicht die hier vorhandene Affinität der Speisen. Belegte Fischbrötchen mit Matjesfilets und Räucherlachs werden über den Ladentisch in Touristenhände gereicht. Die, in hochpreisigen Windjacken bekleideten Urlauber weisen sich gegenseitig auf ausliegende Bootsleinen hin, während sie im Gehen essen und ihre Münder abwischen oder kleine Hunde zum Gehorsam rufen. Das Hupen der Fähre kündigt ihre bevorstehende Rückwartsfahrt an und bringt etwas aufgeregt Maritimes an die Promenade. Mein Blick fällt auf die fettig-glänzende Panade des Bratfisches, der zusammen mit Kartoffelsalat ein vertrautes Bild abgibt. Plötzlich begegnet mir der Wunsch, auf der Stelle mit Oma an der Fischbude in Nienhagen stehen zu wollen. Die Vorfreude auf dieses Essen war schon früh groß, wenn wir mit Windschutz und Kühltasche an dem noch geschlossenen Imbiss vorbeiliefen. Wenn Oma dann zum alltäglichen Gang des Urlaubs-Mittagessens aufrief, befolgten wir ihre Aufforderungen besonders gern, tänzelten aufgeregt um sie herum und konnten unsere Ankunft an der Fischbude kaum erwarten. Dann gab es Kartoffelsalat, den auch Oma aß, Bratfisch, eine kalte Brause und Oma war einmal mehr unsere gefeierte Heldin.

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