08.05.2020

Von einer Freundin erfahre ich, dass das Spülen Meinungsverschiedenheiten hervorbringen kann. Obwohl ich erahne, worum es geht, frage ich nach, was genau mit „Spülen“ gemeint ist. Es geht um „Abwaschen“. Etwas, was seit der Kindheit alltäglich ist und in der Kindheit häufig als tägliche, meist abendliche und fast immer als unliebsame Verrichtung vorkam. In der heutigen Zeit wird darüber weniger diskutiert. Die Spülmaschine schnurrt im stillen Einvernehmen. Sie lässt die Frage nach dem Abtrocknen gar nicht erst aufkommen. Dennoch ist das gute Gefühl, alles in Ordnung gebracht zu haben, häufig verflogen, wenn ihrerseits das kleine grüne Licht eingeschaltet wird. Ein Abwasch kommt sonst erst wieder im Urlaub vor, bei der Schwiegermutter in der Küche, im Anschluss an eine Familienfeier oder wenn der Gastgeber, das Angebot noch mitzuhelfen, überraschend gern annimmt. Nicht selten entstehen interessante Gespräche zwischen Abwascher/in und Abtrockner/in, die nur hin und wieder unterbrochen werden, weil zu klären ist, wo sich noch ein trockenes Geschirrtuch befindet oder ob der Tortenheber auch in dieses Schubfach gehört. In den meisten Fällen wird die „Wegräum-Frage“ mit dem „Stell erstmal alles dorthin-Satz“ beantwortet. Das hinterlässt auf beiden Seiten ein ebenso gutes wie auch unzufriedenes Gefühl, weil dem Abwasch-Prozess damit noch ein weiterer Arbeitsschritt anhaftet. Die Teamarbeit kann auf die Probe gestellt werden, wenn es um die Ansichten zur Aufbewahrung von benutzten Lappen und Geschirrtüchern, ihr Äußeres und deren Wechselintervalle geht. Seit heute weiß ich, es kann auch das Abwaschen direkt betreffen, also das Spülen. Welch wunderschöne Fremdheit von diesem Wort ausgeht. Es scheint fast so, als ließe sich das Abwaschen dadurch neu entdecken.

Ein Kommentar zu „08.05.2020

  1. Ich habe ehrlich gesagt noch nie das Bedürfnis verspürt, eine Geschirrspülmaschine zu benötigen, seit ich z.B. herausfand, dass ich beim Abwaschen sehr gut nachdenken, bewusst Radio hören, oder, wenn jemand abtrocknet, sehr gute Gespräche führen kann. Keine Ahnung, warum das so ist, aber es ist so. Meine Mutter selig hat es immer gehasst, wenn wir Kinder bei Familienfeiern den Abwasch übernahmen. Dann war sie nämlich ausgeschlossen aus unseren oft sehr heiteren Gesprächen in Mutters recht enger Küche. Um uns eins auszuwischen, ließ Mutter dann eine Geschirrspülmaschine installieren. Aber da hatte sie die Rechnung ohne uns gemacht, wir spülten weiter, wie gewohnt per Hand ab und hatten dabei oft die besten Minuten jedes Familienfestes.

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