05.05.2020

In einem Backwaren-Geschäft versuche ich Geld zu wechseln. Ich sage freundlich die Tageszeit und trage mein Anliegen vor. Die Verkäuferin ist offenbar sehr beschäftigt. Während sie hinter dem Tresen hantiert, antwortet sie, ohne mich dabei anzusehen. Das ginge jetzt nicht. Hier sei keine Geldwechselstube, ich solle „Drüben im Konsum mal fragen – die machen eher mal die Kasse auf“. Etwas erstarrt von den vielen Botschaften stehe ich da und schaue auf die Brille der Verkäuferin, die neu zu sein scheint. Sie trägt rote Kisten an mir vorbei und sortiert Brötchen. Bevor ich etwas sagen kann, erfahre ich, dass das mit der Kasse nicht so einfach ist, außerdem würde hier ständig jemand kommen, das Ganze in diesen Zeiten, sie wisse ohnehin nicht wie sie ihre Arbeit schaffen soll und die Sache mit den Einkaufskörben, die ist ihrer Meinung nach erst recht nicht gut gelöst. Etwas sprachlos versuche ich mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und bestelle ein Brötchen, welches ich nicht benötige und lege zwei Euro auf den Tresen. Die Verkäuferin wirkt plötzlich entspannter, das „Erst recht nicht“ in ihrem Gesicht wird zunehmend weicher, sie gibt mir mein Wechselgeld und sagt „Oder so“.

Ein Kommentar zu „05.05.2020

  1. Bei mir um die Ecke klebt ein doofes Plakat: „Dank an unsere Corona-Helden“. Es äfft auf einfältige Weise den Applaus für Krankenschwestern und -brüder, Ärztinnen und Ärzte in England und USA nach, zeigt einen piktogrammhaft gezeichneten Busfahrer. Sind Backwarenfachverkäuferinnen und dito Supermarktverkäuferinnen nicht die wahren Corona-Helden?

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