25.04.2020

In einer kleinen Softeisbar stehe ich lesend vor der Angebotstafel und bemerke, dass mich die Eisverkäuferin auffallend freudig und erwartungsvoll ansieht. Ich bestelle nach kurzer Überlegung zwei Kaffee und zwei Eisbecher. Plötzlich wirkt die junge Frau ein wenig geknickt. Der Heidelbeerbecher ist leider gerade aus. Aber es gäbe noch Kiwi, Erdbeer und Banane. Und ausgerechnet heute ist auch kein Kaffee da. Sonst hätte sie immer welchen, es würde jedoch nie jemand danach fragen. Wenn ich wollte, dann könne ich jedoch einen Eiskaffee haben. Sie wirkt nun leicht verzweifelt. Ihre Auskünfte bringen meine Wünsche durcheinander. Sie stehen plötzlich in Beziehung mit ihrer eben noch vorhandenen Freude. Ich spüre, dass sich unsere Geschäftsbeziehung mit der Dauer meines Nachdenkens langsam aufzulösen scheint. Immer noch sieht mich die Eisverkäuferin aufmerksam an. Ich beschließe auf den Kaffee zu verzichten und bestelle einen Kiwi – und einen Schwedenbecher. Sie nimmt die Bestellung strahlend auf und bittet mich höflich um etwas Geduld. Der Schwung und die Freude, die während der Eis-Vorbereitungen zu spüren sind, gefallen mir. Beides rührt mich auf seltsame Weise an. Es erinnert mich an ein Gefühl in meiner Kindheit, das aufkam, wenn ich hinter meiner Kaufladenkasse stand und mein Vater mit dem kleinen blauen Körbchen in mein Kinderzimmer kam und ich gespannt darauf wartete, was er wohl gleich einkaufen würde.

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